Tape-Art als besondere Form der Stadtgestaltung

Nichts ist so irreführend wie der Begriff „Straßenkunst“ — impliziert er doch, dass es sich um EINE Kunst handelt, die auf der STRASSE gemacht wird. Genau genommen handelt es sich jedoch um VERSCHIEDENE Künste, die den GESAMTEN urban gemachten Raum als Projektionsfläche nutzen.

Gemeinsam ist ihnen lediglich ihr Ursprung: Straßenkunst entstand aus der Freiheit, die Gérard Zlotykamien sich nahm. Er bemalte Städte-Bauwerke mit Kreide und Pinsel. Bald bedienten sich auch andere Künstler dieser neuen Ausdrucksform und bereicherten sie durch die Nutzung weiterer Untergründe sowie den Gebrauch unähnlicher Auftragstechniken und Materialien. Hinzu kamen Installationen und die Sinnentfremdung bereits vorhandener Objekte.

Dass Letztere auch vor Alltagsgegenständen nicht Halt macht, beweist ein relativ junger Trend innerhalb der Straßenkunst-Szene: „Tape-Art“. Dabei kommen Klebebänder sämtlicher Sorten zum Einsatz. Unter geschickten Händen entstehen daraus grafische oder bildliche Motive. Weil die Tapes auf glatten Flächen besonders gut haften, finden sich die Kunstwerke vorwiegend auf Gehwegplatten und an modernen Fassaden.

Damit kehrt die Straßenkunst zu ihren Wurzeln zurück – der Verwendung rückstandslos entfernbarer Materialien auf städtebaulichen Oberflächen. Trotzdem sie sich durchaus legal verhalten, bleiben die meist jungen Künstler gern anonym. Für sie stehen nicht Ruhm und Anerkennung im Vordergrund, sondern Spaß und Kreativität.